Hinweis: Dieser Artikel ist Teil der „Artikelserie – Grundsatzfragen“, die sich damit beschäftigt, ob es einen persönlichen Gott gibt und ob wir etwas über ihn wissen können. Für weitere Artikel klicke hier.
Wie wir gesehen haben, hat das Universum mit großer Wahrscheinlichkeit eine Ursache, die immateriell, ewig und allgegenwärtig ist. Daraus folgt aber selbstverständlich nicht automatisch, dass die erste Ursache ein persönlicher Gott ist. Es gibt unter gläubigen Menschen nun verschiedene Einschätzungen über die Natur dieser Macht. Grob gesprochen lassen sich die Auffassungen in zwei Gruppen einteilen. Die erste Gruppe glaubt, dass es sich bei der ersten Ursache um eine unpersönliche geistige Kraft handelt. Quasi ein Informationsfeld aus dem alles andere entstanden ist. Demgegenüber glaubt die zweite Gruppe, dass es sich bei der ersten Ursache nicht lediglich um eine abstrakte kosmische Macht handelt, sondern um ein persönliches und intelligentes Wesen. Im Folgenden soll daher untersucht werden, ob es Hinweise gibt, dass diese erste Ursache ein solches persönliches und intelligentes Wesen ist.
1. Unpersönliche Kräfte können nicht von ihrem Effekt getrennt werden
Einen ersten Hinweis darauf, dass die erste Ursache keine rein unpersönliche geistige Kraft ist, liefert die Tatsache, dass unpersönliche Kräfte als Auslöser nicht von ihren Auswirkungen getrennt werden können. Mit anderen Worten: Es ist nicht möglich, dass eine Kraft existiert, sie zunächst keine Auswirkungen hat, dann aber im Laufe der Zeit plötzlich der Effekt einsetzt (siehe hierzu und zum Folgenden auch Craig, William Lane/ Reasonable Faith, Seite 153).
Stellen wir uns hierzu die unpersönliche Kraft der Gravitation vor. Die Gravitation ist die „Kraft“, die dafür verantwortlich ist, dass sich Massen anziehen. Sie bewirkt beispielsweise, dass wir in Richtung Erdmittelpunkt gezogen werden und nicht davonfliegen. Unmöglich ist es nun, die Gravitation von ihrem Effekt zu trennen. Es ist undenkbar, dass Gravitation seit Anbeginn des Universums existierte, ihr Effekt aber erst zu einem beliebigen Zeitpunkt einsetzte. Wenn die Gravitation als Ursache von Anfang an existierte, dann existierte auch ihre Auswirkungen von Anfang an.
Dass sich unpersönliche Kräfte als Ursache nicht von ihren Effekten trennen lassen, lässt sich nun auf das Universum und seine Ursache übertragen. Wie bereits erläutert, ist die Ursache ewig. Wenn die Ursache gleichzeitig eine unpersönliche Kraft wäre, müsste das Universum ebenfalls unendlich alt sein. Da das aber mit größter Wahrscheinlichkeit nicht der Fall ist, scheidet eine unpersönliche Ursache aus. Anders wäre der Fall bei einer Person. Ein Mensch, der von Ewigkeit an auf einer Parkbank sitzt, könnte an einem beliebigen Zeitpunkt die Entscheidung treffen aufzustehen. Ebenso kann eine von Ewigkeit an persönliche Ursache zu einem beliebigen Zeitpunkt eine freie Entscheidung treffen, etwas zu erschaffen.
Aus diesem Grund ist es wahrscheinlich, dass die erste Ursache persönlich ist.
2. Das Auftreten immer gleicher Zahlenmuster
Wie wir oben gesehen haben, liegt es nahe, dass die erste Ursache persönlicher Natur ist. Ein Einwand, der nun von jemandem mit einem Glauben an eine unpersönliche Ursache erhoben werden könnte ist, dass die erste Ursache Veränderungen unterliege und sich im permanenten Wandel befände. Folglich könnte dann eine Art „spirituelle Anomalie“ oder Explosion zur Entstehung von Zeit, Raum und Materie geführt haben.
Das Problem mit dieser Theorie ist jedoch (Die philosophischen Gründe, die gegen eine sich verändernde erste Ursache sprechen, sollen an dieser Stelle nicht thematisiert werden.), dass man im Falle einer zufällig auftretenden „Explosion“ ein chaotisches Ergebnis erwarten würde. Auffällig ist jedoch, dass wir in unserem Kosmos die immer gleichen Zahlenmuster wieder und wieder vorfinden. Ein besonders berühmtes Beispiel ist die Zahlenfolge 6-1-8, die den goldenen Schnitt repräsentiert. Der goldene Schnitt, beschreibt ein Verhältnis einer beliebigen Größe, bei dem das Verhältnis von Gesamtgröße zu seinem größeren Teil, gleich ist dem Verhältnis des längeren zum kürzeren Teil (für mehr Hintergründe und den Zusammenhang mit den Fibonacci-Zahlen siehe auch: hier). Das Ergebnis einer solchen Teilung ist dabei stets die Zahl 1,618…. und 0,618 für den Kehrwert.
Das Besondere ist nun, dass dieses Verhältnis in der Natur immer wieder auftritt und, dass er von uns Menschen als Maß für absolute Schönheit und Ästhetik empfunden wird. Der Naturphilosoph und Mediziner Walter van Laack hat einige Beispiele hierzu für seine Leserschaft zusammengetragen (siehe dazu van Laack, Walter/ Mit Logik die Welt begreifen, Seiten 74 – 75). Nachfolgend eine kleine Auswahl:
Genannt werden soll hier die spiralige Anordnung von Blütenblättern wie etwa Gänseblümchen oder Sonnenblumen, die Schuppen von Tannenzapfen oder Ananas, die sich stets im „Goldenen Winkel“ versetzt zueinander befinden. Auch das Wachstum der Spiralwindungen von Schneckenhäusern, Hurrikans und Galaxien bilden eine „Goldene Spirale“. Auch bei Betrachtung der Körper von Mensch und Tier stoßen wir immer wieder auf den Goldenen Schnitt. Streckt der Mensch beispielsweise seine Arme zur Seite aus bilden beide Armlängen im Vergleich zur Schulterbreite den Goldenen Schnitt. Das Gleiche gilt für die Verhältnisse von Oberarm zu Unterarm und von Oberschenkel zu Unterschenkel. Der Abstand von den Schultern bis zu den Fingerspitzen bildet mit dem Abstand vom Ellenbogen bis zu den Fingern ebenso den goldenen Schnitt, wie der Abstand von Fußsohle zum Bauchnabel im Verhältnis zum Abstand vom Bauchnabel bis zum Kopf.
Alleine im menschlichen Körper lassen sich unzählige Beispiele finden. Aber auch im Tierreich muss man nicht lange suchen, um fündig zu werden. Van Laack verweist beispielsweise auf den Körper eines Pferdes. Hier ergibt beispielsweise der Abstand von den Hufen bis zum Unterbauch im Verhältnis zum Durchmesser des Rumpfes den Goldenen Schnitt.
Die Aufzählung ließe sich schier endlos fortsetzen und wir ermutigen dich hier gerne noch zur weiteren Recherche zu diesem hochspannenden Thema. Für den Moment wollen wir das Thema goldener Schnitt aber verlassen und uns stattdessen einer weiteren Zahlenfolge zuwenden. Auch die Wichtigkeit der Zahlenfolge 2-7-3 wird von van Laack erläutert und mit zahlreichen Beispielen belegt (siehe hierzu und zum Folgenden van Laack, Walter/ Mit Logik die Welt begreifen, Seiten 79 – 80). Das berühmteste Beispiel ist sicher der „absolute Nullpunkt bei -273,15° C, als Untergrenze der möglichen Temperaturen. Dieser absolute Nullpunkt wird im Universum jedoch nirgendwo erreicht. Stattdessen weicht die Temperatur um exakt 2,73° C vom Nullpunkt ab und beträgt somit 2,73 K (0 Kelvin ist der absolute Nullpunkt). Demnach ist der Schmelzpunkt des Wassers natürlich bei 273 K.
Weiterhin entspricht beispielsweise der Radius des Mondes 0,273 Erdradien, ein siderischer Mondmonat hat 27,3 Tage und die Schwerebeschleunigung auf der Sonne liegt bei 273 m/s2. Alle Stoffe im Universum ziehen sich bei einer Abkühlung von einem Grad um 1/273 ihres Volumens zusammen bzw. erhöhen sich entsprechen bei Erwärmung um ein Grad.
Auch hier ermutigen wir dich, bei Interesse das Thema noch näher zu recherchieren. Für unsere Zwecke sind die genannten Beobachtungen ausreichend. Es wurde gezeigt, dass gleiche Zahlenmuster in unserem Kosmos immer wieder auftreten. Dies spricht dafür, dass die Ursache des Universums persönlich ist, da man im Falle einer unpersönlichen Kraft keine Struktur erwarten würde. Niemand käme beispielsweise auf die Idee die Cheops-Pyramide mit ihrer rechtwinkligen und quadratischen Form einer unpersönlichen Ursache wie dem Wind oder der Gravitation zuzuschreiben. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Universum an sich.
3. Das Leben
Nachdem wir gesehen haben, dass die materielle Existenz mit großer Wahrscheinlichkeit eine persönliche Ursache hat, bietet folgendes Argument einen Hinweis darauf, dass auch das Leben eine Ursache haben muss. Diese Ursache ist ebenfalls mit größter Wahrscheinlichkeit ein intelligentes Wesen.
- Jeder Code hat einen intelligenten Urheber.
- Die DNA ist ein Code.
- Daher hat die DNA einen intelligenten Urheber.
Es soll nun zunächst Prämisse 2 behandelt werden. Die Desoxyribonukleinsäure (kurz DNS/ engl. DNA) ist der Träger der Erbinformation und enthält den „Bauplan des Lebens“. Sie besteht aus verschiedenen Nukleotiden, die ihrerseits aus einem Phosphatrest, dem Zucker Desoxyribose und jeweils aus einer der vier Basen Adenin, Thymin, Guanin oder Cytosin bestehen. Im Normalzustand liegt sie in Form einer Doppelhelix vor.
Auf der DNA befinden sich Abschnitte (sog. Proteincodierende Gene), die die Information für die mRNA enthalten, die ihrerseits wiederum die Information für den Bau von Proteinen enthalten.
Die DNA ist folglich ein „Code“, der den „Bauplan“ eines jeweiligen Lebewesens enthält. Sie ist vergleichbar mit einer Sprache oder einem Computerprogramm. Die zweite Prämisse ist demnach unumstritten und wird von allen Seiten gleichermaßen akzeptiert.
Was aber ist mit der ersten Prämisse? Obwohl im Allgemeinen von allen Seiten vertreten wird, dass „Codes“ wie Computerprogramme nicht durch unpersönliche Kräfte geschrieben werden, wird genau dies im Bezug auf die DNA von Naturalisten behauptet. Daher soll, nachfolgend diskutiert werden, ob es eine Möglichkeit gibt, dass sich die DNA und damit das Leben aus unpersönlichen, natürlichen Kräften gebildet haben kann.
In Frage kämen hier beispielsweise ein Evolutionsprozess. Der Evolutionsprozess nach Darwin setzt zunächst voraus, dass es etwas gibt, das sich vervielfältigen kann (einen Replikator). Dieser Replikator „kann nicht durch den Darwin’schen Evolutionsprozess erklärt werden, da er selbst Voraussetzung für diesen Prozess ist,“ wie es der deutsche Paläontologe und Entomologe Günter Bechly treffend und wörtlich formuliert. (Zitat Bechly, Quelle). Es bleiben als Verursacher damit lediglich der Zufall in Kombination mit unpersönlichen, natürlichen Kräften oder eine intelligente Verursachung übrig. Da der erste Replikator selbst bereits relativ komplex gewesen sein muss (siehe auch hier) ist eine zufällige Entstehung zwar möglich, jedoch nicht plausibel und auch nicht wahrscheinlich. Auch sonst finden wir nirgendwo in der Geschichte des Universums einen Hinweis darauf, dass irgendwo Information durch Zufall, Zeit und natürliche Kräfte entstand oder entsteht. Das gilt auch für die experimentell beobachtbare Mikroevolution, wo stets nur vorhandene Information entweder außer Kraft gesetzt oder aus bereits bestehender Information neu kombiniert wird, wie Bechly feststellt (siehe Quelle oben).
Es wurde damit gezeigt, dass ein Code nicht durch unpersönliche Kräfte entsteht. Die erste Prämisse ist daher mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig. Da Prämisse 2 oben ebenfalls bereits belegt wurde, folgt die Konklusion: Die DNA – und damit das irdische Leben an sich – hat eine intelligente Ursache.
Fazit: Durch die drei obenstehenden Argumente ( (1)Gleichzeitigkeit von Ursache und Effekt bei unpersönlichen Kräften, (2) das Auftreten gleicher Verhältnisse und Zahlenmuster und (3) die Entstehung des Lebens) wurde dargestellt, dass die Ursache für das Universum und das Leben mit großer Wahrscheinlichkeit persönlicher Natur ist. Auch wenn selbstverständlich kein abschließend verifizierbarer Beweis im Sinne eines naturwissenschaftlichen Experiments erbracht werden kann, ist der kumulative Fall dennoch so stark, dass wir mit großer Zuversicht von einer persönlichen Ursache des Universums und des Lebens ausgehen können.
Als nächstes wollen wir uns mit dem Thema der Moral beschäftigen. Wir wollen uns die Frage stellen, inwiefern die Existenz moralischer Werte einen „moralischen Gottesbeweis“ darstellt.
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