„Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt“. Diese provozierende Steilaussage lieferte kein geringerer als der weltberühmte russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski, der im Laufe seines Lebens vom überzeugten Materialisten und Atheisten zum gläubigen Christen wurde. Gleichzeitig könnte man das Vorhandensein moralischer Werte, folgt man Dostojewski, als moralischen Gottesbeweis werten. Wie bereits in den vorangegangenen Artikeln lässt sich auch das Moralische Argument in deduktiver Form darstellen. D.h. wenn die Prämissen zutreffen, folgt daraus die Konklusion:
- Wenn Gott nicht existiert, existieren keine objektiven moralischen Werte und Normen.
- Es existieren objektive moralische Werte und Normen
- Daraus folgt, dass Gott existiert.
Im Folgenden soll nun zunächst die erste Prämisse untersucht werden: Tatsächlich bekommt Dostojewski für seine obenstehende Aussage („Wenn es keinen Gott gibt, ist alles erlaubt“. ) sogar Zuspruch von der weltanschaulich gegenüberliegenden Seite. Der französische Schriftsteller, Religionskritiker und Philosoph Jean Paul Sartre bekräftigt, dass „wenn wiederum Gott nicht existiert, so finden wir uns keinen Werten, keinen Geboten gegenüber, die unser Betragen rechtfertigen. So haben wir weder hinter uns noch vor uns, im Lichtreich der Werte, Rechtfertigungen oder Entschuldigungen”.
Es fällt auf, dass gerade die nachdenklichsten und durchdachtesten Atheisten wie etwa Friedrich Nietzsche, Jean Paul Sartre etc. der Überzeugung sind, dass der Mensch ein verlassenes und allein auf sich gestelltes, ultimativ hoffnungsloses Wesen ist, welches weder in sich noch außer sich einen Halt und Entschuldigungen hat und daher radikal „frei“ ist.
Um etwas als richtig oder falsch bezeichnen zu können, braucht es einen Standard, der definiert, was richtig und falsch ist. Der irische Schriftsteller C.S. Lewis formuliert es folgendermaßen: „Man nennt eine Linie nicht krumm, wenn man keine Vorstellung von einer geraden Linie hat.“ (Lewis , Clive Staples – „Mere Christianity“ – eigene Übersetzung des englischen Originals). Woher aber sollte in einem rein materialistischen Universum eine solch objektive und verbindliche Definition kommen?
Bevor wir fortfahren, möchten wir zunächst ein häufiges Missverständnis ausräumen.
Mit der Aussage „Ohne Gott existieren keine moralischen Werte und Normen“ ist nicht gemeint, dass der Unglaube Menschen zwangsläufig zu unmoralischen Menschen macht und schlechter „performen“ lässt. Natürlich ist es absolut möglich, dass Atheisten ein anständiges Leben führen und ihren Mitmenschen sozial und herzlich gegenübertreten. Unsere Erfahrung lehrt uns, dass es moralisch handelnde Atheisten und rücksichtslose Christen und andersherum gibt. Diese Beobachtung steht hier aber gar nicht im Fokus.
Es ist ebenfalls nicht gemeint, dass ein Atheist nicht wissen könne, was richtig und falsch ist, ganz im Gegenteil.
Vielmehr bezieht sich die Grundaussage darauf, dass bei der Nichtexistenz Gottes keine verbindliche, objektive Grundlage für Moral besteht! In Folge fallen auch moralische Würdigungen in Richtiges oder Falsches beziehungsweise in Kategorien des Guten und des Bösen in sich zusammen.
Was dann bleibt, ist ein relativer und subjektiver Blick auf Moral. In einem naturalistischen Universum könnte jeder für sich selbst definieren, was moralisch richtig und falsch ist.
Aber auch eine unpersönliche (übernatürliche) Ursache kann die Existenz objektiver moralischer Werte nicht begründen. Moralische Werte existieren allenfalls als Eigenschaften von Personen und nicht als abstrakte Objekte (vgl. hierzu und zum Folgenden auch Craig, William Lane, Reasonable Faith, S. 178 -179). Der Wert der Nächstenliebe beispielsweise ergibt ausschließlich im Kontext von Personen Sinn. Denn was wäre die Bedeutung der Nächstenliebe in der Abwesenheit von Personen (sowohl auf der Seite des Verpflichtenden als auch auf der Seite des Verpflichteten)? Ähnliches gilt für die Gerechtigkeit, die Barmherzigkeit, die Treue usw. Es wurde somit gezeigt, dass objektive moralische Werte mit großer Wahrscheinlichkeit nur existieren können, wenn ein persönlicher Gott existiert.
Betrachten wir nun die zweite Prämisse und untersuchen, ob es eine objektive Moral gibt: Wenn wir ehrlich in uns hineinhören und unserem Gewissen vertrauen, kommen wir eindeutig zur Erkenntnis, dass es unumstößliche moralische Werte gibt und dass beispielsweise das absichtliche Töten eines unschuldigen Kleinkindes objektiv falsch ist. Die moralische Bemessung einer solchen Tat darf sich nicht nach relativen Gegebenheiten richten. Auch das Bemühen und die Aktivitäten vieler areligiöser Menschen beweist im Grunde, dass sie selbst an eine objektive Moral glauben. Menschen wie Sartre und heutige Materialisten wie Dawkins, die sich leidenschaftlich für die Abschaffung von als ungerecht empfunden Zuständen einsetzen, und sei es die Religion beispielsweise im Kontext von Frauenunterdrückung und Genitalverstümmelung.
Wenn o.g. Menschen wirklich konsequent Moral als relativ und subjektiv ansehen würden, warum kommen sie nicht zu der Schlussfolgerung, dass diese Kulturen das Recht zur Verwirklichung einer derartigen kulturell- und zeitbedingten Moral haben? Aber wie man das Blatt auch wendet: Bereits die Motivlage für die Aktivitäten selbsterklärter Atheisten ist hinter der Kulisse eine ehrenwerte, denn sie wollen die Welt zu einem besseren Ort machen. Sie wollen eine gute Welt und sehen die Religion und ihre Manifestierungen als Leid und Übel verursachend an. Völlig unabhängig von der behaupteten Aussage zeigen sie damit aber, dass sie selbst an objektive moralische Fakten glauben. Denn wie könnte man sonst nach einer besseren Welt streben, wenn es keinen Maßstab gibt, von dem man sich weg oder hinbewegen könnte.
Zudem zeigen die Konflikte und das Ringen um den richtigen ethischen Umgang in den Themen des Alltags nicht, dass Moral relativ ist, sondern dass um die richtige Lösung gerungen wird. Denn solche Konfliktdiskussionen würden sich erübrigen, wenn Moral relativ ist und wir selbst davon überzeugt wären.
Manchmal wird eingewendet, dass doch gerade die kulturellen Differenzen in moralischen Fragen gegen das Vorhandensein objektiver moralischer Werte sprechen. Doch das ist nicht der Fall. Es handelt sich allenfalls um Unterschiede hinsichtlich der Bewertung von Fakten, die dann zu vermeintlichen moralischen Unterschieden führen. Als Beispiel hierfür sei der Glaube an Hexen und damit zusammenhängende Hexenverbrennungen genannt. Wenn wir heute üblicherweise in unserer Gesellschaft nicht mehr vermeintlich verdächtige Frauen verbrennen, dann nicht, weil wir uns per se derart moralisch fortentwickelt hätten, sondern weil wir wissen, dass diese Frauen eben keinen Bund mit dem Teufel geschlossen haben. Wären die Menschen in der heutigen Zeit noch der Überzeugung, dass diese Frauen einen Bund mit dem Teufel geschlossen hätten und in seinem Namen Kinder entführen und opfern würden, hätten wir auch heute einen Lynchmob auf der Straße, der den angeblichen Hexen an den Kragen gehen würde. Ähnliches kann gesagt werden zu verschiedenen islamischen Sekten, die Frauen versklaven. Dies tun sie, weil sie annehmen, dass Frauen keine gleichwertigen Menschen seien, da sie aus deren Sicht keine Seele besitzen.
Man sieht also. In Wahrheit sind es keine moralischen Unterschiede, sondern Unterschiede in der Faktenbeurteilung.
Wir sind uns sicher, dass wenn man zehn Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen zusammensetzt und diese müssten Sich auf zehn grundlegende Regeln einigen, dass dies eben kein sonderlich großes Problem darstellen würde, sondern dass eine Art universelle Verfassung daraus entstünde, wo jeder Beteiligte von Herzen zustimmt.
Es gibt also ausgezeichnete Gründe für die Existenz moralischer Fakten, die von den Meinungen, Kenntnissen und Bedürfnissen der Menschen unabhängig sind.
Fazit: Es wurde gezeigt, dass beide Prämissen zutreffend sind. Es wurde gezeigt, dass es in einem atheistischen Universum keine objektive Moral geben kann. Anschließend wurde gezeigt, dass sehr vieles dafür spricht, dass es objektive moralische Werte gibt. Daraus folgt nun, dass Gott existiert und er die Grundlage für eine objektive Moral ist.
Im Folgenden soll nun ein weiteres Argument für die Existenz Gottes untersucht werden. Zudem wird Thema sein, in welcher Beziehung dieser Gott zu uns Menschen steht.
Als nächstes wollen wir uns ein weiteres Argument für die Existenz einer anderen Welt nachdenken, indem wir unser Innerstes erforschen. Wir wollen zudem mit der Frage auseinandersetzen, in welcher Beziehung wir zu Gott und Gott zu uns steht. Gibt es hier Indizien, die uns einen Hinweis geben? Die Antwort findest du hier.
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